Der Dubliner Whiskey Brand: Die ungewöhnlichste Katastrophe in Dublins Geschichte, von welcher du bestimmt noch nie gehört hast
Die Schweine warnten die Menschen vor dem Feuer. Doch blind vor Gier, tranken diese aus einem Fluss mit brennenden Whiskey.
Mit Töpfen, Pfannen, und sogar mit Stiefeln versuchen sie das Wasser des Lebens aufzusammeln.
Viele benutzen einfach die Hände, um möglichst viel Whiskey aus dem "Fluss" trinken zu können.
Für 24 Personen endet Gier nach kostenlosem Whiskey im Spital. Dreizehn von ihnen sterben an einer Alkoholvergiftung.
Doch der Reihe nach. Was ist passiert an diesem Sommertag im Juni 1875?
Ich erzähle dir eine schier unglaubliche Geschichte, die wohl in keinem Reiseführer zu finden ist.
Bild 1: Illustrated London News, Public domain, via Wikimedia Commons1
Es wird dir ja bekannt sein, dass die Iren nicht nur gerne Whiskey herstellen, sondern diesen auch gleich verköstigen.
Aber, dass einige Dubliner vor fast 150 Jahren die Gelegenheit ergriffen das Lebenswasser direkt von der Strasse zu trinken erstaunt schon.
Wie alles begann.
In Todesangst quiekende Schweine warnen die Menschen als erstes vor dem Feuer in der Chamber Street. Die Borstenviecher rennen in Panik aus den Ställen ins Freie, um dem sicheren Tod zu entrinnen.
Der Brand, so fand man später heraus, startet im Zolllagerhaus von Laurence Malone und Reid's Malzlager. Über eine Million Liter Whiskey waren zu der Zeit eingelagert.
Das Feuer verbreitet sich rasch und setzt die ersten Fässer im Lager in Brand. Die mit Whiskey gefüllten Holzfässer platzen auf, worauf sich die brennende Spirituose wie glühende Lava durch die engen Gassen des Viertels „Libertie“ giesst.
Tom Geragt und Trevor Whitehead werden später sagen, dass das Feuer zuerst in der Chamber Street wütete und einen Pub in Flammen aufgehen liess.
In derselben Strasse findet in einem Privathaus eine Totenwache statt. Die Bewohner müssen mit dem Leichnam fliehen, um an einem anderen Ort zu trauern. Das Haus der Hinterbliebenen und ihr Hab und Gut werden komplett zerstört.
Auch eine Gerberei wird ein Raub der Flammen. Das verleiht dem ohnehin schon beissenden Rauch noch eine gewisse Würze.
Es muss mächtig gestunken haben an diesem Abend in Dublin.
Das allgemeine Chaos wird dadurch verschärft, dass damals viele Tiere in der Stadt gehalten wurden. Neben den schon erwähnten Schweinen, gab es Pferde, Esel, Katzen und Hunde.
Ein besonders unglücklicher Hund sprang aus einem Fenster und stürzte zu Tode.
Der Grossbrand selbst erreicht um 21:30 seinen Höhepunkt als die enorme Hitze in Malones Lagerhaus die meisten der 5000 Fässer zum Explodieren bringt.
Während die Feuerwehr den Brand verzweifelt löschen will, laben sich links und rechts des Whiskey-Flusses die Bewohner des Quartiers am kostenlosen Spirituosenstrom.
Dafür wird jeder verfügbare Behälter genutzt. Wer nichts dabei hat füllt kurzerhand seine Stiefel oder die Mütze.
Einer davon ist der 21-jährige William Smith. Zusammen mit einem Freund hat er sich um das Inferno aus der Nähe zu sehen, quer durch die Stadt hindurch auf in die Liberties gemacht.
Der junge Arbeiter ist eines der dreizehn Todesopfer. Mit beiden Händen schöpft er das Lebenswasser und trinkt eine Menge davon.
Sein Freund und einige Passanten bringen ihn nach Hause, nachdem er gefallen ist und das Bewusstsein verloren hat. Am nächsten Morgen wird William ins Richmond Hospital gebracht. Sein Status wird als Wachkoma bezeichnet. Tatsächlich erlangt er noch einige Male das volle Bewusstsein.
Aber William stirbt schliesslich am darauffolgenden Tag an der Alkoholvergiftung.
Genau wie zwölf andere Menschen auch. Kein einziger starb an Verbrennungen oder an einer Rauchvergiftung. Das eigentliche Grossfeuer hat keine Opfer gefordert.
Alle Todesfälle rührten von einer Alkoholvergiftung her. Der Whiskey war viel stärker als das in den Flaschen verkaufte Endprodukt.
Der damalige Bürgermeister Dublins, Peter Paul McSwiney, sagte Schlussrichtung: Die Leute konnten sich nicht von der brennenden Flüssigkeit fernhalten. In jeder Stadt, in der die Leute generell viel Alkohol trinken, wäre es wahrscheinlich passiert.
Wie gelang es der Feuerwehr, den Grossbrand zu löschen und den Whiskey-Strom zu stoppen?
Das erzähle ich dir gleich.
Zuerst noch der Hinweis auf eine Whiskey-Destillerie. Seit über 125 Jahren ist die Teeling Whiskey Destillerie in Dublin ansässig. Sie wurde im Herzen des historischen Viertels Liberties in Dublin gegründet.
Bild 2: Whiskey Fass Ausstellung in der Teeling Destillerie.2
Seit ihrer Eröffnung hat die Destillerie über 20 Auszeichnungen erhalten, darunter „Best Visit in Ireland“ 2019 und „Sustainable Distillery of the Year“ 2022.
Die Geschichte der Familie Teeling im Whiskey-Geschäft reicht bis ins Jahr 1782 zurück, als Walter Teeling eine kleine Handwerksdestillerie in Dublin gründete.
Im Jahr 2015 gründeten Jack und Stephen Teeling, die neue Teeling Whiskey Destillerie. Diese befindet sich unweit der ursprünglichen Brennerei der Familie.
Die Destillerie erlaubt Besuchern, den gesamten Whiskey-Herstellungsprozess zu erleben.
Teeling Whiskey ist bekannt für seine innovative Herangehensweise und legt grossen Wert auf den Inhalt jeder Flasche.
Ihre Whiskeys sind einzigartig im Geschmack, da sie verschiedene Reifungsprozesse und Fass-Arten nutzen. Sie füllen ihren Whiskey ohne Kältefiltration ab, um den wahren Charakter des Teeling Whiskeys zu bewahren.
Viele Touristen sehen sich die bekanntere Jameson Destillerie an. Der Geheimtipp ist jedoch ist der Besuch der Brennerei im Viertel Liberties.
Du fragst dich jetzt sicher, wie die Sache mit dem Grossfeuer ausging?
Die Feuerwehr Dublin stand unter der Leitung von James Robert Ingram, dem ersten Brigadekommandanten.
Ingram erkannte, dass die Whiskey-Lava nicht mit Wasser gestoppt werden darf. Dies hätte eine noch fatalere Katastrophe zur Folge gehabt. Eine schnelle Lösung musste her. Kennst du sie?
Sie lautet: Pferdemist.
Aus einem nahe gelegenen Depot wurde dieser schliesslich an gekarrt und die Flüssigkeit konnte so gestoppt werden.
Die Feuerwehr konnte sich nun auf das eigentliche Löschen konzentrieren.
Am Ende war der Schaden immens.
Zahlreiche Wohnhäuser und Ställe für das Vieh waren niedergebrannt. Was in einer ohnehin schon dicht besiedelten Gegend viele Familien obdachlos werden liess.
Auch der Schaden für Malone und Reid war riesig. Die gut fünftausend verloren gegangenen Fässer Whiskey hatten einen Wert zur heutigen Zeit von fast 6 Millionen Euro.
Nur 61 Fässer konnten gerettet werden. Wovon einige in den folgenden Tagen unter verdächtigen Umständen einfach verschwanden.
Das Ereignis dieses verhängnisvollen Sommertages in Dublin ist auch in Form von Whiskey verewigt worden.
Eine Destillerie in West Cork stellt seit 2014 einen Whiskey mit dem Namen „Flaming Pig“her.
Lebenswasser, inspiriert von quietschenden Schweinen, die die Menschen vor dem Feuer warnten.
Bild 1: Illustrated London News, Public domain, via Wikimedia Commons
Bild 2: Whiskey Fass Ausstellung in der Teeling Destillerie. Foto mit freundlicher Genehmigung von Daniela Mole aus der FB-Gruppe Irland die schönsten Reiseziele



