Ein Abend am irischen Kamin: Zwischen Nostalgie und Überraschungen
Von Whiskeydunst und Aschespuren: Die unerwarteten Geschichten irischer Kaminabende
<img src="https://vg08.met.vgwort.de/na/aaa837a5cad14a3987e305c8c3b7fc59" width="1" height="1" alt="">Hi!
Stimmst du mit mir überein?
Der Geruch macht ein Torfeuer aus.
Stell dir vor, du sitzt abends gemütlich vor dem knisternden Feuer.
Die Flammen verschlingen emsig den Brennstoff und strahlen eine wohlige Wärme aus.
Zur Krönung gönnst du dir einen schönen irischen Whiskey.
Um die Hausecken pfeift der Wind und der Regen prasselt unablässig auf das Dach.
Weit in der Ferne zeugen einige wenige Lichter von Zivilisation.
So kann ein gemütlicher Abend vor dem lodernden Kaminfeuer aussehen.
Du blickst auf Besuche spannender Orte oder an schöne Begegnungen mit netten Menschen zurück.
Das Karussell der Erinnerungen beginnt sich zu drehen. „Weisst du noch, als wir in diesem Ort an der Westküste waren? Dort, wo der grosse Stein neben der Eingangstüre zum Pub liegt.
Gerade in kalten Winternächten begleiten mich Kaminfeuer seit unserer Ankunft in Irland vor neun Jahren. Heute benutzen wir zur Befeuerung der Feuerstelle Holz oder Kohle.
Am urigsten ist aber immer noch das Verfeuern von Torf. Es ist typisch für Irland und so ein Torfeuer hat seinen besonderen Charme.
Für mich ist es der Geruch Irlands. So riecht Irland. Nicht anders.
Abgesehen vom Erzeugen von Wärme wird in Irland der Kamin für allerhand Schabernack missbraucht.
Da gehört das Verbrennen von Cola Dosen dazu.
Nein. Nicht ich. Käme mir nie in den Sinn. Andere sind da noch kreativer. Du wirst nicht glauben, was so in einem irischen Kamin alles verbrannt wird.
Der Kamin, der Mittelpunkt des irischen Haushaltes
Da gibt es diese tollen Dinger. Ganz aus Gusseisen. In Irland „Stove“ genannt.
Dann gibt es die offenen Kamine. Das ist die interessantere Variante. Wenn auch eine wenig Energieeffizient.
Die Wärme reicht meist so 30 cm in den Raum hinein. Der Rest verpufft nach oben durch den Kamin hinauf. Weg in die eiskalte Nacht.
Im ersten Haus in welchem wir zur Miete untergekommen sind, sah ich mich mit einem offenen Kamin konfrontiert.
Dabei war es eher eine regelrechte Feuerstelle.
Ich ertappte mich einige Male beim Gedanken einfach eine Wurst an einen Ast zu stecken und diese über dem Feuer zu grillen.
Dazu musste das Feuer erst mal richtig brennen.
Mit richtig Zunder, gutem Zureden, der schlauen Taktik und viel Geduld gelang uns jeweils ein respektables Feuer zu entfachen.
Ok. Mehrheitlich halfen auch einige Schimpftiraden auf das blöde, noch nasse Holz. Die falschen Kohlen. Etc.
Oder eben dem Torf der nicht richtig brennen wollte.
Beim Small Talk mit unserer nigelnagelneuen Nachbarin wurde uns eine Lektion bezüglich Feuer machen erteilt.
Ja, Trish.
Eines Tages zog sie mit ihrem Freund in das Apartment oberhalb der Garage ein. Gleich neben dem Haupthaus, welches wir gemietet hatten.
Unser Landlord hatte die kleine Wohnung renoviert.
Über Trish könnte ich ein ganzes Buch schreiben.
Trinken, Rauchen und Fluchen. Ihre Lieblingsbeschäftigung. Mit arbeiten hatte sie es nicht so.
Du weisst, der Rücken …
Anfangs freundeten wir uns mit den beiden an. Sie kam zu uns rüber zum Raclette. Wir kamen dafür in den Genuss einer deftigen irischen Mahlzeit.
Alles supidupi und easy.
Aber zurück zum Kaminfeuer.
Trish also beäugt im Wohnzimmer unseren Kamin. „Damit wollt ihr Feuer machen?“.
„Eh ja. Wir machen Feuer damit. Es ist doch ein Kamin und kein Kühlschrank.“
„Na ja, die viele Asche da drin. Das brennt doch nie!“ entgegnet sie. Wie immer ihrer Sache sicher. Selbstvertrauen hat die Frau.
„Ja, aber der Landlord hat uns explizit gesagt, den Kamin nicht herauszuputzen. Die Asche drin zu lassen. Das ist, damit nicht zu viel Luft dazu kommt. Es ist nun mal so ein grosser Kamin und ohnehin … wieso lachst du?“
Ich bin etwas irritiert über Trishs Lachen, welches meist in Husten übergeht und wieder zurück.
Da platzt es aus hier heraus. Den Satz, welchen jede Irin sagt.
„Jesus, Maria and Joseph!“
„Der Landlord ist ein Idiot. Oder er lügt dich einfach an.“
So wettert sie mit ihrer tiefen Stimme los.
Etwas genervt gebe ich zurück: „Wieso sollte er mich anlügen. Er hat ja nichts davon, ob ich nun die Asche da herausmache oder nicht.“
So lerne ich meine irische Lektion Nr. 1.
„Reto, nimm einfach all die Asche da raus. Du wirst sehen, es brennt danach viel besser. So wahr ich hier stehe. Ich weiss, wie man solch einen Kamin ein feuert.“
„Ach übrigens. Peter und ich sind im Turf-Business. Wollt ihr, was bestellen?“
Wir wollen. Schieb rüber, die gut riechenden Teile …
Einige Tage später bin ich gewillt ES zu versuchen. Die dicke, einige Jahre alte Schicht aus grau-weisser Asche soll weg.
Du wirst nicht glauben, was alles zum Vorschein kam …
Cola Dosen
Glasscherben
Tonscherben
Schrauben
Nägel
Plastik
… etwas, das aussah wie eine Sprungfeder
Auf das Teil kommen wir gleich zu sprechen …
Einige Wochen später ist unser Landlord mit seinem Sohn bei uns.
Drüben in der grossen Garage steht ein alter Wolseley von 1910 und noch ein anderer Oldtimer.
Die guten Stücke wollen regelmässig gewartet werden.
Ich werde eingeführt in die Geschichte der Wolseley Oldtimer und weiss nun auch, warum das Haus so heisst.
Wir plaudern weiter, als der Landlord plötzlich seinen Sohn fragt:
„Du, kannst du dich noch an die Zeit erinnern, als wir im grossen Haus gelebt haben?“
Die Antwort vom Filius ist postwendend. Und überrascht.
„Klar, Dad! Vor allem als wir im Kamin das alte Sofa verbrannt haben.“
Zuerst konnte ich es mir verkneifen, lauthals loszulachen. Das klappte für einige Sekunden.
Dann brachen aber alle Dämme.
„Was ist?“
Ich glucksend: „Das erklärt dieses Ding im Kamin … diese Sprungfeder!“
„Hast du etwa die Asche aus dem Kamin rausgeputzt?“
„Na, Logo. Es brennt seither viel besser!“
Slan
Reto



