Mit Ross und Wagen auf dem Weg in die Molkerei
Heute ist alles nur noch Erinnerung ...
Jeder, der mehr als zwei Kühe in seinem Besitz hatte, brachte die Milch in die Molkerei.
Bild zur Verfügung gestellt von Stephen Kelly, FB Gruppe Vanishing Ireland.
In einer verschließbaren Milchkanne wurde die Milch angeliefert und die Menge fein säuberlich in einem Molkereibuch eingetragen. Die Vergütung erfolgte monatlich mit einem Scheck, dessen Höhe von Monat zu Monat variierte.
Die Milchproduktion war in den Sommermonaten am höchsten und so viel auch der Scheck entsprechend aus. Mit diesem monatlichen fixen Einkommen zählten die Farmer neben den Rentnern zu den ersten Personen in Irland, welche ein regelmäßiges Einkommen beziehen konnten.
Der soziale Treffpunkt der Molkerei wurde oftmals in den lokalen Pub verlagert. Egal zu welcher Tageszeit. Eine schnelle Pint lag immer drin.
Auch überliefert ist, dass Farmer bis zum Abend dem Wirt die Stange hielten und sich danach zum Melken aufmachten. Nicht selten dürfte ein schöner Teil des Einkommens über den Tresen gewandert und in Bier und Whiskey umgewandelt worden sein.
Auch überliefert ist eine Geschichte, in welcher der Großvater auf dem nach Hause weg auf dem Wagen oben einschlief. Das Pferd ihn aber sicher heim zur Farm brachte.
Es kannte doch den Weg.
Auf dem Foto sehen wir die Brüder Johnny und Connie Kelly. Die beiden schwelgen noch heute in guten Erinnerungen an damals. Die beiden Jungs brachten die Milch von der Farm der Großmutter in Curraheen im County Kerry zur Molkerei.
Das war in den 1950er und das Bild war geprägt von emsigen Farmern, welche mit Pferden und Wagen die Milch zur Molkerei brachten.
Später wurden die Pferde durch Traktoren ersetzt.
Als Jahre später eine um die andere Molkerei geschlossen wurde, brach der Tagesbetrieb in den Pubs ein.
John Quish aus Mitchelstown, Co. Cork ist Autor des Buches "Going to the Creamery".
Darin erinnert er sich an seine Jugend auf Bauernhöfen bei Verwandten und Freunden.
Neben Arbeiten wie dem Mähen, Torf stechen und der Butterherstellung war auch Cowboy spielen in den Ruinen von Mitchelstown Castle angesagt.
Und natürlich in der Molkerei in Mitchelstown Käse herstellen.
Wer sich kein Pferd leisten konnte, der spannte einen Esel vor den Karren, um in die Molkerei zu gelangen.
Esel gibt es noch heute viele in Irland. Nicht nur zweibeinige.
Auch vierbeinige.
Oftmals werden diese leider schlecht gehalten und vernachlässigt.
In der Donkey Sanctuary außerhalb von Liscarroll im Co. Cork hat man sich seit 1987 dem Problem angenommen.
Mehr als 5600 vernachlässigte und ausgesetzte Esel aus ganz Irland erhielten seither hier ihr Gnadenbrot.
Mehr als das. Liebevolle Fürsorge ist garantiert.
Derzeit werden über 1700 Esel betreut. Über 500 in privaten Pflegeheimen. Die übrigen auf insgesamt vier Farmen um Liscarroll herum.
Auf der Knockardbane Farm kannst du die über 150 Esel besuchen. Insbesondere für Kinder ist der Besuch der Donkey Sanctuary ein grosser Spass.
Aber jetzt zurück zu den Molkereien und der Arbeit auf dem Land. Farmer konnten ein einsames Leben führen.
Und so fanden die irischen Landwirte in der Molkerei einen Treffpunkt zum Austausch von lokalen Nachrichten, Besprechung des Wetters oder mit der Analyse der letzten Pferderennen.
Die "Creamery" war ein fester Bestandteil der Gemeinde.
Mit deren Schließung starb ein Stück lokaler Geschichte und auch ein sozialer Treffpunkt für Farmer.
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