Mizen Head und der Osteraufstand
Wo Irland ins Meer stürzt und Geschichte lebendig wird
Hey Irland-Fan!
Es ist Ende April und Irland zeigt sich von seiner dramatischsten Seite. Vor genau 110 Jahren kämpften irische Freiheitskämpfer in den Strassen Dublins für die Unabhängigkeit – und die Nachwirkungen sind heute noch spürbar. Gleichzeitig lockt die Südwestküste mit Klippen, über die der Wind pfeift, als hätte er was Wichtiges zu sagen.
Das erwartet dich heute:
Reisetipp: Die Burren Perfumery – Duft, Kräuter und Tee mitten in der Mondlandschaft
Sehenswürdigkeit: Mizen Head – wo Irland aufhört und der Atlantik anfängt
Geschichte: Der Osteraufstand 1916 – 110 Jahre später
Aus der Community: Die besten Tipps für Nordwest-Irland und Nordirland
Aktuelles: Tralee Food Festival und Buchtipp
Links der Woche und Greenway-Guide
Reisetipp der Woche: Die Burren Perfumery
Manchmal sind es die unerwarteten Orte, die einen am meisten berühren. Die Burren Perfumery gehört definitiv dazu. Versteckt in der Mondlandschaft des Burren UNESCO-Geoparks, nahe dem winzigen Dorf Carron in der Grafschaft Clare, liegt Irlands älteste Parfümerie – seit 1972 in Familienbesitz.
Was das Ganze besonders macht: Du kannst den Handwerkern direkt über die Schulter schauen. Im Perfume Room werden Parfüms in winzigen Chargen von 30 bis 50 Stück gemischt und abgefüllt. Im Blending Room entstehen Bio-Cremes und Balsame. Über 100 Produkte darfst du testen – ohne jeden Kaufdruck. Im Sommer gibt es kostenlose Führungen (Juni–September, 11:30 und 14:30 Uhr) und einen 20-minütigen Film über die Flora des Burren.
Draussen wartet ein preisgekrönter Bio-Kräutergarten mit Pflanzen, die tatsächlich in den Produkten verwendet werden. Im Juni blüht er am schönsten. Und im Tea Room (April–Oktober) gibt es selbstgemachte Suppen, Bio-Kuchen und Scones in einem rosen bewachsenen Häuschen.
Mein Tipp: Die Perfumery liegt perfekt zwischen Galway und den Cliffs of Moher. Plane sie als Stopp ein – ein schöner Kontrast zu den Touristenmassen an den Klippen. Am besten über die Route Galway → Kilcolgan → Kinvara → Carron anfahren.
Praktisches:
Eintritt: kostenlos, ganzjährig geöffnet
Tea Room: April–Oktober, 11–17 Uhr (im Winter: gratis Kaffee & Kekse!)
Anfahrt: mit Auto (Eircode V95 KC61) – schmale Strassen, etwas mehr Zeit einplanen
Einplanen: 2–3 Stunden
Wie erkundest du Irlands Nordwestküste und Nordirland?
In unserer Facebook-Gruppe über Irland Reisen wurde diese Woche intensiv über die Nordwestküste diskutiert. Viele planen im Sommer ihre erste Reise nach Donegal und Nordirland. Hier meine Tipps:
1. Nicht alles in eine Woche packen. Die Nordwestküste verdient mindestens 3–4 eigene Tage. Wer von Kerry bis Donegal in einer Woche hetzt, sieht alles und nichts.
2. Slieve League statt Cliffs of Moher. Die Klippen in Donegal sind fast doppelt so hoch, kaum bekannt und wunderbar ruhig. Mein absoluter Favorit.
„Slieve League“ von Jim McDonough, CC BY-NC-ND 2.0
3. Die Causeway Coastal Route fahren. Von Derry bis Belfast – eine der schönsten Küstenstrassen der Welt. Giant’s Causeway, Carrick-a-Rede Rope Bridge, Dunluce Castle – alles an einer Strecke.
4. ETA nicht vergessen! Für die Einreise nach Nordirland (UK) brauchen EU-Bürger seit 2025 eine Electronic Travel Authorisation. ETA vor der Reise online beantragen.
5. Festivals als Reiseanlass nutzen. Im August laufen das Ballyshannon Folk Festival, das A Taste of Donegal Food Festival und das Sligo Summer Festival. Sowie weitere Events. Perfektes Timing.
Mein Motto: Plane eine grosse Attraktion pro Tag. Der Rest ergibt sich von selbst.
Sehenswürdigkeit der Woche: Mizen Head
Etwas Mut und Kondition braucht man schon. Denn um zum südwestlichsten Punkt Irlands zu gelangen, muss man über eine doch recht schmale Bogenbrücke laufen – oder 99 Stufen eine Treppe hochkraxeln.
Am Mizen Head in West Cork steht seit 1909 eine Signalstation auf einem kleinen Felsvorsprung, abgetrennt vom Festland. Die Station war bis 1994 rund um die Uhr bemannt und diente den Schiffen als Orientierung im Nebel. In den Gebäuden findest du heute ein Museum über Schifffahrt, Funkkommunikation und die Geschichte der Küstenwache.
Und dann ist da der Fastnet Rock – 12 Meilen vor der Küste, mit Irlands höchstem Leuchtturm (54 Meter). Sein Spitzname: „Träne Irlands“. Für irische Auswanderer im 19. Jahrhundert war er das letzte Stück Heimat, bevor die sogenannten “Coffin Ships” in Richtung Amerika verschwanden. Eine Geschichte, die einen beim Anblick des Felsens nicht loslässt.
Ein Funfact am Rande: Nur wenige Kilometer entfernt, in Crookhaven, gelang Guglielmo Marconi einer der ersten Funksprüche vom europäischen Festland an die Küste Amerikas. Irland als Wiege der drahtlosen Kommunikation – wer hätte das gedacht.
Praktisches:
April–Juni & Sep–Okt: täglich 10:30–17 Uhr
Juli/August: täglich 10–18 Uhr
Erwachsene: €7.50 / Familie: €25
Bester Zeitpunkt: Mai oder September, Wochentag-Morgen – offen, ruhig, gutes Licht
Der Osteraufstand 1916 – 110 Jahre danach
Am Ostermontag, dem 24. April 1916, besetzten irische Republikaner unter Patrick Pearse und James Connolly das General Post Office in Dublin und riefen die Irische Republik aus. Innerhalb einer Woche wurde der Aufstand niedergeschlagen. Was dann geschah, veränderte Irland für immer.
Die britische Reaktion – die Hinrichtung von 16 Anführern im Stonebreakers Yard von Kilmainham Gaol – verwandelte die öffentliche Meinung. Aus gescheiterten Rebellen wurden Märtyrer. Der Weg zur irischen Unabhängigkeit war geebnet.
Im April 2026 jährte sich der Aufstand zum 110. Mal. Am 5. April fand vor dem GPO die offizielle Gedenkfeier statt. Im National Museum Collins Barracks lief die Sonderausstellung „1916 in 16 Objekten“ an. Und in Kilmainham Gaol zeigt eine Ausstellung geheime Fotografien aus dem Gefängnis von 1921 – kostenlos, aber Tickets unbedingt vorbuchen.
Wenn du in Dublin bist, besuche diese Orte:
GPO, O’Connell Street – Hauptquartier des Aufstands, Einschusslöcher noch sichtbar
Kilmainham Gaol – emotional, kraftvoll, unvergesslich (€8 Erwachsene)
Arbour Hill Cemetery – Grabstätte der 14 hingerichteten Anführer, Proklamation in Stein gemeisselt, kostenlos
Moore Street – letztes Schlachtfeld, von hier aus kapitulierte die Führung
St. Stephen’s Green – Einschusslöcher am Fusiliers Arch (und ja: während des Aufstands wurde eine Feuerpause eingelegt, damit der Gärtner die Enten füttern konnte)
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Aus der Community: Tipps für die Nordwestküste
In unserer Facebook-Gruppe “Irland die schönsten Reiseziele” hat eine Leserin nach Geheimtipps für die Nordwestküste und Nordirland gefragt. Die Community hat sich ins Zeug gelegt – hier die besten Empfehlungen:
Donegal & Sligo:
Slieve League Klippen – die eigentliche Alternative zu den Cliffs of Moher
Glenveagh Nationalpark – viktorianisches Schloss am See, Berglandschaft, Stille
Ben Bulben – Yeats’ Tafelberg, markant und mysteriös
Malin Head – nördlichster Punkt der Insel
Diamond Hill (Connemara) – 45 Minuten Aufstieg, Aussicht unbezahlbar
Doagh Famine Village – emotionales Freiluftmuseum auf Inishowen
Nordirland:
Giant’s Causeway – UNESCO-Welterbe, am frühen Morgen besuchen
Carrick-a-Rede Rope Bridge – Hängebrücke über 30-Meter-Abgrund
Dunluce Castle – Ruine am Klippenrand, filmreif
Titanic Belfast – eines der besten Museen der Insel
Mussenden Temple bei Downhill – spektakulär auf der Klippe über dem Meer
Aktuelles aus Irland
Tralee Food Festival 2026
Wer Mitte Mai in Kerry unterwegs ist: Das Tralee Food Festival findet am 16.–17. Mai 2026 statt. Letztes Jahr kamen fast 37.000 Besucher in drei Tagen und brachten €2,6 Millionen in die lokale Wirtschaft – ein neuer Rekord. Das Festival ist ehrenamtlich organisiert und der Eintritt bleibt kostenlos. Wenn du authentisches irisches Essen abseits der Touristenfallen probieren willst, ist das dein Termin.
Buchtipp: Unnützes Wissen über Irland
Ein bisschen Eigenwerbung muss erlaubt sein: Mein neues Buch „Unnützes Wissen über Irland – Die Grüne Insel für Klugscheisser“ ist da. 248 schräge Fakten, witzige Rekorde und ein irisches Quiz – komplett in Farbe, geschrieben von jemandem, der seit über 10 Jahren auf dieser verrückten Insel lebt.
Stell dir vor, du sitzt im Pub, das Guinness fliesst, und du haust mit deinem irischen Halbwissen selbst die Einheimischen vom Hocker. Genau dafür ist dieses Buch gemacht. Perfekt als Geschenk, Reiselektüre oder Klolektüre mit Stil.
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Links der Woche
Boann – die keltische Göttin deren Name bis heute im Fluss Boyne weiterlebt (Facebook)
Graystown Castle in Tipperary – dramatisch über dem Clashawley River, kaum bekannt
7-Tage-Roadtrip Donegal & Nordirland – Bucket-List-Inspiration (Insta Ireland)
Essen im Emmet Hotel Clonakilty – West Cork kulinarisch
Greenways in Irland – der komplette Guide zu Irlands schönsten Fahrrad- und Wanderrouten: herzensinsel.de
Bis nächste Woche
Irland ist nie fertig entdeckt. Ob du am Mizen Head über die Brücke läufst und tief unten im Wasser nach Robben ausschau hältst, in der Burren Perfumery den Duft von Kamille einatmest oder in Dublin vor den Einschusslöchern am GPO stehst – jede Ecke dieser Insel hat eine Geschichte, die erzählt werden will.
Wenn du Fragen hast, eigene Tipps teilen willst oder einfach mal Sláinte sagen möchtest – die Kommentare sind für Abonnenten offen.
Sláinte agus slán go fóill!
Grüne Grüsse,
Reto
PS: Ich schreibe Herzensinsel – Der Brief jede Woche, weil Irland mehr zu bieten hat als Cliffs of Moher und Guinness. Reisetipps aus erster Hand, Geschichte mit Tiefe, Geheimtipps ohne Touristenstempel. Alles kostenlos. Wenn du mehr davon willst – abonniere den Brief und verpasse keine Ausgabe.





